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Minnetuch

Die Astronomie zwischen Ranen und Rana

Das astronomische Wissen zur Zeit Wizlaws III.

Die zweite Strofe von Wizlaws Minnelied XIII Der walt vñ angher lyt ghe breyt (Der Wald und Anger liegt gebreit) beginnt mit folgenden Versen:

Andem angher vil wnnen lyt.
so iz ghot den planeten ghyt.
syt. wart vns wnn
ētoughen blicke.
Übersetzuing von E. Hages-Weißflog:
Der Anger bereitet mancherlei Entzücken, entsprechend dem Einfluß, den Gott den Planeten jetzt gibt. Dies bedeutet zugleich, daß wir nun wieder die Wonne heimlicher Liebesblicke genießen dürfen.

Die Bedeutung des Wortes “planeten” hatte den Nachdichtern bisher ein Rätsel aufgegeben. Man nahm an, dass hier “planten”, das niederdeutsche Wort für Pflanzen, falsch wiedergegeben wurde. Elisabeth Hages-Weißflog löste dieses Problem 1996 in ihrer Schrift “snel hel ghel scrygh ich dinen namen - Zu Wizlaws Umgang mit Minnesangtraditionen des 13. Jahrhunderts” dann endlich auf:
“Der Einzug der schönen Jahreszeit und ihrer Freuden ... wird ... ausdrücklich in Beziehung gesetzt zu den Gestirnsbewegungen, die die entsprechenden Veränderungen in der Natur bewirken. Leider läßt die Kürze und Allgemeinheit der Formulierung den naturkundlichen Hintergrund, über den Wizlaw verfügte, nicht recht erkennen. Da die Sonne im Mittelalter (wie der Mond) zu den Planeten gezählt wurde - das Mittelalter spricht von den siben planêten -, könnte hier das kosmische Jahreszeitgeschehen im eigentlichen Sinn gemeint sein, das für das Mittelalter maßgeblich durch den Lauf der Sonne bestimmt wird, wobei die Einteilung der Jahreszeiten den Stand der Sonne zu den Tierkreiszeichen zugrundelegt. ...
Der Rückgriff auf naturkundliches Wissen, wissenschaftliche Erklärungen also, stellt Wizlaws Frühlingspreis in einen Rahmen objektiver Welterkenntnis. D.h. es wird deutlich, daß die gepriesene Frühlingsnatur nicht nur Quell des Entzückens, sondern zugleich auch Gegenstand menschlichen Erkennens ist, und es hat den Anschein, als wolle Wizlaw diese objektivierende Sicht auf Natur gleichsam selbst zum Thema machen, wenn er in der ersten Strofe den erkennenden Menschen und das von den Indizien auf den Sachverhalt rückschließende Erkennen so deutlich in den Vordergrund stellt.”
(Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Zitates möchte ich mich bei Frau Dr. Hages-Weißflog und beim Max Niemeyer Verlag bedanken.
Erstveröffentlichung: ”Lied im deutschen Mittelalter. Überlieferung, Typen, Gebrauch”, ISBN 3-484-10729-4, Niemeyer Verlag 1996,
www.niemeyer.de)

Der Tierkreis - französische Miniatur aus dem Jahr 1354

© ÖNB Bildarchiv, Wien, Cod. 2563, fol. 37v
Die ersten drei Abbildungen dieser Seite geben euch einen Einblick in das astronomische und geografische Wissen zur Zeit Wizlaws (um 1300). Auf der oben wiedergegebenen Miniatur könnt ihr den Tierkreis (Zodiak) sehen, wobei die als Lebewesen dargestellten Sternbilder nicht in der richtigen Reihenfolge angeordnet sind. Der Tierkreis, also die 12 Sternbilder, die im Laufe eines Jahres von der Sonne scheinbar durchlaufen werden, diente bereits in frühen Zeiten zur Zeiteinteilung und Kalenderfestlegung. Der Steinbock ist der schon aus der Antike überlieferte “Ziegenfisch”, der Schütze ist ein Zentaur (analog dem gleichnamigen Sternbild), die Waage wird von einer Frau gehalten und wie ein Skorpion (hier zwischen Fische und Wassermann angeordnet) aussieht, wusste offenbar der Zeichner nicht so richtig.

Auch was die wissenschaftliche Erkenntnis der Natur anbelangt scheint Wizlaw III. ein kluger Mann gewesen zu sein...

Die Umrundbarkeit der Erde - französische Miniatur aus dem Jahr 1245
Der Reichsapfel als Erde mit Kontinenten - norwegische Holzschnitzerei um 1300

© Bibliothèque nationale de France, Paris, Cod. fr. 574, fol. 42r

Mit der Zeichnung (Abb. rechts) wurde den damaligen Menschen verdeutlicht, dass die Erde umrundet werden kann, sie also eine Kugelgestalt besitzt: Zwei Pilger gehen am Nordpol in entgegengesetzte Richtung los und treffen sich wieder am Südpol. Eine scheibenförmige Erde gehört demnach ebenso ins Reich der widerlegten Vorurteile über das Mittelalter, wie das “Recht der ersten Nacht” und die Hexenverbrennungen. Dieser Fehlschluss entstand vermutlich aufgrund der Form der mittelalterlichen Weltkarten (z.B. der Ebstorfer Weltkarte), die in Kreisgestalt um Jerusalem als Mittelpunkt gezeichnet wurden. Man nennt solche Karten “T-O-Karten” wegen der auf ihnen vorgenommenen Aufteilung der damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika in T-Form. Auf der norwegischen Holzschnitzarbeit aus der Zeit um 1300 (Abb. links) ist diese Darstellungsform der Erde als Reichsapfel gut zu sehen, wobei die Erde hier “geostet” ist (Osten ist oben). Durch die Art der Schnitzerei zeigt uns der Künstler eindeutig die Kugelgestalt der Erde. Der König soll vermutlich den heiligen Olav darstellen, trägt mit großer Wahrscheinlichkeit aber die Gesichtszüge des damals herrschenden Håkon V., des Gemahls Euphemias von Rügen.

Wizlaw III. und sein Bruder Sambor weilten nachweislich zu Weihnachten 1302 am Hof ihrer Schwester Euphemia in Oslo. Sie hatten ihren Vater Fürst Wizlaw II. begleitet, der dann dort verstarb. Im Zeitraum um den Jahreswechsel um Mitternacht stehen relativ markante Sternbilder über dem Südhorizont: Orion, Großer Hund (Canis Maior), Hase (Lepus). Rügen liegt bei etwa 54° 30’ und Oslo bei 60° nördlicher Breite. Von Oslo aus kann man somit bis zu einer Deklination von -30° den südlichen Sternenhimmel einsehen, d.h. es kommen gerade noch die drei südlichen Hauptsterne des Großen Hundes über den (Meeres-)Horizont. Rügen liegt etwa 5° südlicher. (Da hier beim Blick nach Süden meist über Land geschaut werden muss, habe ich die Differenz zu Oslo abgerundet.) Es ist also vom Fürstentum Rügen aus der südliche Sternenhimmel bis zur Deklination von -35° sichtbar. In unserem Fall können so auch noch die markanten Hauptsterne des Sternbildes Taube (Columba), südlich des Hasen gelegen, gesehen werden. Dass man von Rügen aus am Nachthimmel weiter nach Süden sehen kann, ist dem naturinteressierten Prinzen ganz sicher nicht entgangen. Und bei der Suche nach einer Antwort dafür wird er wohl auch darauf gestoßen sein, dass die Erde eine Kugel sein muss. (Ich gehe bei meiner Vermutung über Wizlaws astronomisches Interesse natürlich davon aus, dass der Himmel während seiner Anwesenheit in Oslo nachts nicht ständig bedeckt war.)

Stern ist nicht gleich Stern - unser heutiges Wissen von den Sternen

Als ich im Sommer 2003 mit den FreundInnen vom Musiktheater Dingo an der Premiere des Singspiels “Wizlaw, der Verführer - Sänger und Herrscher auf Rügen” teilnahm, hatten wir die Abende am Strand genossen und dabei den Sternenhimmel bewundert und sogar einige Sternschnuppen entdeckt. Da kein Fremd- und Mondlicht die Dunkelheit des Nachthimmels störte, zeigte sich uns die ganze Sternenpracht, so fantastisch, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Das Band der Milchstraße, unserer Galaxie, zog sich von Horizont zu Horizont. Genau so werden auch die Menschen zu Wizlaws Zeiten den Himmel bewundert und sich vielleicht gefragt haben, warum der eine Stern rötlich, der andere bläulich, ein dritter gelb und ein vierter weiß leuchtet. Von den fernen Galaxien hatten sie keine Kenntnis, auch nicht davon, was die Milchstraße wirklich ist. Deshalb möchte ich mich mit meinem kleinen Exkurs auch nur auf die relativ sonnennahen Sterne beschränken.

Im Folgenden seht ihr das Hertzsprung-Russell-Diagramm (HRD). Es stellt den Zusammenhang zwischen der Leuchtkraft (als absoluter Helligkeitsindex Mv bzw. als Leuchtkraftfaktor bezogen auf die Sonne) und der Spektralklasse, Farbe und Oberflächentemperatur der Sterne her. Die Position einiger bekannter und hell leuchtender Sterne im HRD findet ihr darin wieder.

Hertzsprung-Russell-Diagramm (HRD)

Leuchtkraftklassen

Die Sterne werden aufgrund ihrer stellaren Leuchtkraft, das heißt ihrer tatsächlichen Helligkeit, einer bestimmten Leuchtkraftklasse zugeordnet. Diese Klassen haben somit nichts mit der scheinbaren Helligkeit gemein, mit der wir die betreffenden Sterne von der Erde aus sehen. Als Beispiel für diesen Unterschied seien die drei hellsten Sterne des irdischen Nachthimmels, Sirius, Canopus und Toliman (Alpha Centauri A), genannt, wobei nur Sirius von Mitteleuropa aus sichtbar ist. Sirius ist 8,57 Lichtjahre von der Sonne entfernt und hat die 23-fache Leuchtkraft und den 1,8-fachen Durchmesser der Sonne, Alpha Centauri A ist am sonnennächsten (4,35 Lichtjahre) und hat sowohl eine sonnenähnliche Leuchtkraft (1,7-fach) als auch einen sonnenähnlichen Durchmesser (1,2-fach). Beide Sterne sind Zwerge wie unsere Sonne und liegen auf der so genannten Hauptreihe, die sich im HRD von links oben nach rechts unten erstreckt. Canopus dagegen ist ein wahres “Kraftwerk” von 14800-facher Sonnenleuchtkraft bei 90-fachem Sonnendurchmesser. Da er aber 313 Lichtjahre von uns entfernt ist, sehen wir ihn “nur” als den zweithellsten Stern am Nachthimmel.
Die Sterne werden in die folgenden Leuchtkraftklassen eingeteilt:
0   Hyperriesen
Eta Carinae (η Car, der mit etwa 120 Sonnenmassen massereichste und mit über 100000-facher Sonnenleuchtkraft hellste bekannte Stern, kurz vor einer Explosion stehend bzw. bereits explodiert), ρ Cassiopeiae, ο1 Centauri
Ia, Iab, Ib   Überriesen
Alnitak, Naos, Alnilam, Aludra, Rigel, Saiph, Deneb, Scutulum, Canopus, Mirphak (Algenib), Polaris (Polarstern), Sadr, Rastaban, Wezen, Alsuhail, Enif, Antares, Beteigeuze (Betelgeuse), Rasalgheti, VV Cephei (der mit 2400-fachem Sonnendurchmesser größte bekannte Stern), μ Cephei (wegen seiner dunkelroten Farbe “Granatstern” genannt)
II, III   Riesen
Meissa, Mintaka, Adhara, Agena (Hadar), Bellatrix, Mimosa, Mirzam, Shaula, Spica, Acamar, Cursa, Rasalhague, Beid, Caph, Capella, Menkent, Aldebaran, Arktur, Dubhe, Pollux, Gacrux, Mira, Mirach, Scheat, Zaurak
IV   Unterriesen
Acrab, Acrux, Alnair, Cih, Dschubba, Lesath, Phact, Sirrah, Alhena, Menkalinan, Miaplacidus, Ruchbah, Prokyon A, Tureis, Alshain, Muphrid, Rana
V   Hauptreihen-Zwergsterne
Achernar, Algol, Benetnasch (Alkaid), Regulus, Alioth, Atair (Altair), Castor, Denebola, Fomalhaut, Megrez, Merak, Mizar, Phekda (Phad), Sirius A, Wega (Vega), Porrima, Zavijava, Sonne, Toliman A (Rigilkent A, α Centauri A), Keid, Toliman B (Rigilkent B, α Centauri B)
Weiße Zwerge (VII) bzw. Rote Zwerge (V, VI)
Prokyon B, Sirius B, Proxima Centauri (α Centauri C)

Spektralklassen

Ende des 19. Jahrhunderts wurde an der Harvard-Universität die OBAFGKM-Klassifikation für Sterne entwickelt. Die Klassen wurden aufgrund der Absorptionscharakteristika bestimmter Elemente festgelegt, die wiederum Aussagen über die Oberflächentemperaturen zulassen: Heiße Sterne erzeugen weinger Absorptionslinien als kühlere. Mit den Spektralklassen korrespondieren zugleich auch die Farben der Sterne, die wir mit bloßem Auge erkennen können. (Wobei gesagt werden muss, dass F-Klasse-Sterne nicht grün leuchten, sondern hellgelb.) Als typische Vertreter der betreffenden Spektralklassen gelten die Spektren folgender Sterne, die als Grundlage für die Einteilung dienten:
O: Naos (ζ Pup), Sternbild Puppis (Achterdeck)
B: Alnilam (ε Ori), Sternbild Orion
A: Sirius (α CMa), Sternbild Canis Maior (Großer Hund)
F: Canopus (α Car), Sternbild Carina (Schiffskiel)
G: Capella (α Aur), Sternbild Auriga (Fuhrmann)
K: Arktur (α Boo), Sternbild Bootes
M: Beteigeuze (α Ori), Sternbild Orion
Zum leichten Merken der Reihenfolge gibt’s folgenden Spruch:
Oh, Be A Fine Girl, Kiss Me!

Sternenhäufigkeit

Wir sehen zwar am Nachthimmel die vielen hellen Sterne, doch sind diese nur ein geringer Bruchteil der wirklich vorhandenen Sterne. Der weitaus größere Teil ist mit bloßem Auge oder mit Amateurausrüstung nicht zu sehen. Es handelt sich nämlich um extrem lichtschwache Objekte, um Rote Zwerge wie z.B. den sonnennächsten Stern Proxima Centauri, der erst 1915 entdeckt wurde. Die Sterne in unserer Milchstraße sind etwa wie folgt verteilt:
Rote Zwerge (M: V-VI): 80%
K-Klasse-Zwerge (K: V): 9%
Weiße Zwerge (A: VII): 5%
G-Klasse-Zwerge (G: V): 4%
alle übrigen Sterne (O-F: V, O-M: 0-IV): 2%

In der folgenden Übersicht seht ihr die wichtigsten Merkmale der häufigen Klassen B bis M. Die Angaben beziehen sich auf Hauptreihensterne (Leuchtkraftklasse V), also Zwergsterne wie die Sonne, sowie auf Unterriesen (Leuchtkraftklasse IV).

B-Klasse-Stern Regulus
A-Klasse-Stern Sirius
F-Klasse-Stern Prokyon
G-Klasse-Stern Sonne
K-Klasse-Stern Rana
M-Klasse-Stern Proxima Centauri

Spektralklasse B:
Farbe: blau
Temperatur: sehr heiß (30000K-10000K)
Masse: massereich (ca. 10 Sonnenmassen)
Stellare Lebensdauer: ca. 32 Millionen Jahre
typischer Vertreter: Regulus (α Leo), Sternbild Leo (Löwe), Entfernung 77 Lichtjahre, Spektralklasse B7V, absolute Helligkeit Mv = -0,55

Spektralklasse A:
Farbe: weißblau bis weiß
Temperatur: heiß (10000K-7250K)
Masse: etwas schwerer als die Sonne (ca. 2 Sonnenmassen)
Stellare Lebensdauer: ca. 1 Milliarde Jahre
typischer Vertreter: Sirius (α CMa), Sternbild Canis Maior (Großer Hund), Entfernung 8,57 Lichtjahre, Spektralklasse A1V, absolute Helligkeit Mv = 1,45

Spektralklasse F:
Farbe: hellgelb
Temperatur: etwas heißer als die Sonne (7250K-6000K)
Masse: etwas schwerer als die Sonne (ca. 1,5 Sonnenmassen)
Stellare Lebensdauer: ca.5,2 Milliarden Jahre
typischer Vertreter: Prokyon (α CMi), Sternbild Canis Minor (Kleiner Hund), Entfernung 11,4 Lichtjahre, Spektralklasse F5IV, absolute Helligkeit Mv = 2,68

Spektralklasse G:
Farbe: gelb
Temperatur: sonnenähnlich (6000K-5000K)
Masse: sonnenähnlich (ca. 1 Sonnenmasse)
Stellare Lebensdauer: ca. 10 Milliarden Jahre
typischer Vertreter: unsere liebe Sonne, Entfernung 8 Lichtminuten, Spektralklasse G2V, absolute Helligkeit Mv = 4,83

Spektralklasse K:
Farbe: gelborange bis orange
Temperatur: etwas kühler als die Sonne (5000K-3900K)
Masse: etwas leichter als die Sonne (ca. 0,7 Sonnenmassen)
Stellare Lebensdauer: ca. 24 Milliarden Jahre
typischer Vertreter: Rana (δ Eri), Sternbild Eridanus, Entfernung 29,5 Lichtjahre, Spektralklasse K0IV, absolute Helligkeit Mv = 3,74

Spektralklasse M:
Farbe: rot
Temperatur: kühl (3900K-2500K)
Masse: massearm (ca. 0,09 bis 0,5 Sonnenmassen)
Stellare Lebensdauer: 57 Milliarden Jahre und mehr
typischer Vertreter: Proxima Centauri (α Cen C), Sternbild Centaurus (Zentaur), Entfernung 4,22 Lichtjahre, Spektralklasse M5V, absolute Helligkeit Mv = 15,45

Die Sterne verweilen die längste Zeit ihrer Existenz in der Hauptreihe. Gegen Ende ihres Lebens bewegen sie sich aus ihr heraus und werden erst zu roten Riesensternen, dann zu Weißen Zwergen. Sehr massereiche Sterne entwickeln sich sogar zu Überriesen, die schließlich als Supernovae des Typs II explodieren. Massearme M-Zwerge verglühen dagegen langsam. Wann das Ende eines Sternenlebens erreicht ist, wird von der Spektralklasse bestimmt. Ausgehend von den hier dargestellten Charakteristika der verschiedenen Spektralklassen können wir den Typ Stern ermitteln, der am besten für das Entstehen intelligenten Lebens auf einem in der Umlaufbahn kreisenden Planeten geeignet ist. Zum einen kommen nur Hauptreihensterne oder Unterriesen in Betracht, da alle größeren Sterne vermutlich keine Planeten (mehr) besitzen, da sie sich schon so weit “aufgebläht” haben, dass mögliche Planeten “verschluckt” worden sind. Sterne der Klassen O bis F sind außerdem zu heiß, zu hell und zu kurzlebig. Auch ein F-Klasse-Hauptreihenstern würde sich nach etwa 5 Milliarden Jahren zum Roten Riesen entwickeln. Das ist aber genau das Alter, dass unsere Sonne gegenwärtig besitzt. Ihr steht aber nochmals die gleiche Zeitspanne für die Entwicklung des Lebens zur Verfügung. Und wie intelligent unsere Spezies bereits ist, möge jeder selbst beurteilen ;-) ... M-Klasse-Zwerge sind dagegen zu kühl und zu dunkel. Ideal für die Entwicklung des Lebens sind somit Hauptreihensterne der Klassen G und K oder Unterriesen der Klasse K, vorausgesetzt, es sind keine Mehrfachsternsysteme oder veränderliche Sterne mit ihren negativen Auswirkungen auf Planetenbildung, Umlaufbahnen und der Herausbildung von Tages- und Jahreszeiten.

Die Beteigeuze-Supernova

Supernovae sind gewaltige Sternexplosionen die aus zwei unterschiedlichen Ursachen entstehen können. Der Typ I entsteht in einem instabil gewordenen Doppelsternsystem, in dem Materie von einem Roten Riesen auf einen Weißen Zwerg überfließt, bis der Weiße Zwerg sich derart aufgebläht hat, dass er regelrecht “platzt”. Das passiert, wenn der Weiße Zwerg den kritischen Grenzwert von 1,4 Sonnenmassen überschritten hat. Der Typ II ist dagegen eine Supernova, die stets am Lebensende eines Überriesen auftritt. Sobald der Wasserstoff als Kernbrennstoff aufgebraucht ist, werden die nächsten Elemente verbrannt, bis mit Eisen das “Ende der Fahnenstange” erreicht ist. Der Stern kollabiert. Durch die Kontraktionsenergie heizt er sich dermaßen auf, dass seine Außenhüllen in einer gewaltigen Explosion ins All geschleudert werden.

Die Beteigeuze-Supernova

1987 kam es in der Großen Magellanschen Wolke zu einer Supernova vom Typ II, bei der ein blauer Überriese explodierte. Die Supernovae von 1572 (Cassiopeia) und 1604 (Ophiuchus) waren vom Typ I. Auch die alten Ranen haben ganz sicher drei Supernovae erlebt: 1006 (Helligkeit des Vollmonds), 1054 (im Sternbild Taurus/Stier, Typ II, heller als die Venus bei Maximum) und 1181. Und auch wir können vermutlich bald mit einem derartigen Schauspiel rechnen: Der 350 Lichtjahre entfernte rote Überriese Beteigeuze (Betelgeuse) im Sternbild Orion neigt sich seinem Lebensende zu. Seine Oberfläche vibriert bereits stark und er stößt innerhalb von drei Tagen Materie von zwei Mondmassen ab. Die Supernova wird bereits stattgefunden haben, es fragt sich nur, wann deren Licht bei uns eintrifft. Die Beteigeuze-Supernova würde mehrere Wochen mit Vollmondhelligkeit zu bewundern sein und wäre DAS astronomische Ereignis eines Menschenlebens. Doch es gibt noch eine Steigerung. Der Stern Eta Carinae am Südhimmel (6000 Lichtjahre entfernt und mit 120 Sonnenmassen der schwerste bekannte Stern) dürfte sich noch gewaltiger ”verabschiedet” haben: mit einer so genannten Hypernova. Bereits 1843 hatte er in einem ersten Ausbruch ein Maximum an Helligkeit erreicht, übertraf für kurze Zeit Canopus als zweithellsten Stern am Nachthimmel und stieß einen wunderbaren Nebel ab. Jetzt ist er nicht mehr mit bloßem Auge sichtbar. Eta Carinae kommt in unseren geografischen Breiten (Europa) nicht über den Horizont, doch dürfte, wenn das Licht der Explosion auf der Erde eintrifft, dieses so hell sein, dass zum Zeitpunkt der Sternkulmination ein Lichtschein am Südhorizont sichtbar sein müsste.

Die Himmelspositionen der von mir näher vorgestellten Sterne möchte ich euch anhand von Fotografien veranschaulichen, die mir dankenderweise Herr Eckhard Slawik zur Verfügung gestellt hat. Herr Slawik hat ein Fotografieverfahren entwickelt, dass sehr gut die Eigenfarben und Größen markanter Sterne erkennen lässt. Auf dem folgenden Bild sind zum Beispiel die Überriesen Beteigeuze und Rigel mit ihren typischen Farben Rot und Blau zu sehen. Das Sternbild Orion mit den drei Gürtelsternen und dem Orionnebel tritt deutlich hervor. Im “Atlas der Sternbilder” aus dem Spektrum - Akademischer Verlag ist der gesamte Himmel auf diese Weise abgebildet. Außerdem hat Herr Slawik ein Poster der Milchstraße gestaltet, in dem er seine Fotografien von Himmelsbereichen so zusammengesetzt hat, dass eine vollständige Sicht auf unsere Galaxie entstanden ist.

Der Stern Rana

In unmittelbarer Nähe des sehr hellen blauen Überriesen Rigel im Sternbild Orion beginnt eine lange Kette von mäßig hellen Sternen, die sich bis weit nach Süden erstreckt. Es ist das antike Sternbild des Flusses Eridanus. Bis zum 16. Jahrhundert endete dieses Sternbild beim Stern Acamar, der im Mittelmeerraum gerade noch sichtbar ist. Mit den Entdeckungsreisen auf die Südhalbkugel der Erde wurde Eridanus bis zum hellen Stern Achernar verlängert. Im nördlichen Bereich dieses sowie im benachbarten Sternbild Cetus (Walfisch) liegen mehrere orangefarbene K-Klasse-Sterne, die meistens Riesen sind. Sonnenähnlich sind nur ο² Eridani, ε Eridani und Rana (Karte nebenan).
Epsilon Eridani (ε Eri, Spektralklasse K2V, Entfernung 10,5 Lichtjahre) galt Jahrzehnte lang als ein Kandidat für die Existenz eines Planeten, auf dem sich intelligentes Leben entwickelt haben könnte. In der Serie Star Trek bekam dieser imaginäre Planet sogar schon einen Namen: Vulkan.

Position des Sterns Rana (Delta Eridani)

Doch jüngste Forschungen haben ergeben, dass Epsilon Eridani viel zu jung dafür ist. Ein Planetensystem befindet sich gerade erst in der Entstehung, da sich um den Stern herum eine Staubscheibe befindet, aus der sich erst noch Planeten durch Materiezusammenballung herausbilden werden. Keid (ο² Eri, 40 Eri, Spektralklasse K1V, Entfernung 16,5 Lichtjahre) ist zwar älter, hat aber den entscheidenden Nachteil, ein Dreifachsystem zu sein. Seine Begleiter sind ein Weißer und ein Roter Zwerg. Durch die Gravitationskräfte der drei Komponenten müssten die Planetenbahnen stark elliptisch verlaufen. Außerdem wirkt sich die Existenz von drei Sternen (auch mit unterschiedlicher Helligkeit) negativ auf die Ausbildung von Tages- und Jahreszeiten auf einem etwaigen erdähnlichen Planeten aus. Rana (Delta Eridani, δ Eri) ist dagegen ein Stern, der bereits ein ansehnliches Alter erreicht hat. Er bewegt sich allmählig aus der Hauptreihe heraus und hat dabei schon das Stadium eines Unterriesen erreicht. Was in diesem Fall bedeutet, dass er sich inzwischen zum fast Dreifachen der Größe der Sonne ausgedehnt hat (bei reichlich drei viertel der Sonnenmasse). Leben dürfte in dieser Welt auf einem Planeten möglich sein, der etwa 1,7 Astronomische Einheiten (AE, 1 AE ist die Entfernung Sonne - Erde) von Rana entfernt ist, d.h. etwa der Marsbahn entspricht. Planeten konnten mit den herkömmlichen Messmethoden noch nicht nachgewiesen werden, da der Stern infolge seiner Entwicklung seit geraumer Zeit Pulsationen zeigt. Von allen K-Klasse-Sternen unserer näheren Umgebung wäre Rana jedoch der Stern, bei dem sich am ehesten eine intelligente Zivilisation herausgebildet haben könnte.
Die wichtigsten Angaben zum Stern Rana:

Sternkatalog-
Nummern

Sternname

Sternbild

Rektaszension

Deklination

Größe

Entf.

Spektral-
klasse

absolute
Helligkeit

B-V-
Index

HR 1136
HD 23249
HIP 17378
BD -10°728

Rana
Delta Eridani
δ Eri
23 Eri

Eridanus
Eridanus

3h 43min 15s

-9° 45’ 55”

3,52

29,5 Lj

K0IV

Mv = 3,74

0,915

Der Stern Beta Pictoris

HST-Aufnahme der Staubscheibe um Beta Pictoris 1995
Position des Sterns Beta Pictoris
HST-Aufnahme der Staubscheibe um Beta Pictoris 1996

Eine ganz andere Entwicklungsphase als Rana zeigt ein Stern am Südhimmel: Beta Pictoris (β Pic). Zwischen dem Überriesen Canopus und der Großen Magellanschen Wolke, einer Sekundärgalaxie unserer Milchstraße, liegt das unscheinbare Sternbild Pictor (Malerstaffelei). Diese Himmelsregion bleibt in Mitteleuropa immer unsichtbar. Um Beta Pictoris zu sehen, muss man mindestens bis nach Madeira, die Kanarischen Inseln, Malta oder an die Südküsten Spaniens, Siziliens oder Kretas reisen. An klaren Winterabenden ist der Stern dort relativ schnell über dem Südhorizont auszumachen, dank der Orientierungshilfe Canopus.

Im Jahr 1983 wurde um den Stern Beta Pictoris eine zirkumstellare Scheibe aus Staub, Gas- und Eisklumpen entdeckt. Es handelt sich um ein Planetensystem in seiner Entstehungsphase. Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren umgab eine derartige Staubscheibe auch unsere Sonne. 1995 und 1996 wurde das Hubble Space Telescope auf Beta Pictoris ausgerichtet und die nebenstehenden Spektralaufnahmen gemacht, wobei der Stern selbst abgedeckt wurde. Ganz deutlich könnt ihr Auswölbungen an der Scheibe nach links unten und rechts oben erkennen, als ob etwas an ihr “zerren” würde. Es wird angenommen, dass sich schon zwei Planeten gebildet, die für diese Verzerrungen verantwortlich sind: Ein Gasriese mit doppelter Jupitermasse sowie ein Planet von vermutlich 13-facher Jupitermasse. Der kleinere Planet ist 8 AE und der größere 537 AE vom Zentralgestirn entfernt. Neueste Analysen haben ergeben, dass die Staubscheibe bereits Lücken aufweist. Ein innerer Gürtel ist 24 bis 300 AE und ein äußerer 380 bis 900 AE von Beta Pictoris entfernt.
Die wichtigsten Angaben zum Stern Beta Pictoris:

Sternkatalog-
Nummern

Sternname

Sternbild

Rektaszension

Deklination

Größe

Entf.

Spektral-
klasse

absolute
Helligkeit

B-V-
Index

HR 2020
HD 39060
HIP 27321
CD -51°1620

Beta Pictoris
β Pic

Pictor
Malerstaffelei

5h 47min 17s

-51° 04’ 00”

3,85

63 Lj

A5V

Mv = 2,55

0,171

Links zu Astronomie-Seiten

(Für die hier aufgeführten Links gelten die gleichen Kriterien, die ich auf der Seite “Linksammlung” formuliert habe.)

Zeitschrift “Sterne und Weltraum”
Zeitschrift “Astronomie heute”
ESA - Europäische Weltraumagentur
STScI - Space Telescope Science Institute
Simbad-Datenkatalog
Hipparcos-Datenkatalog
Astronomische Informationen
Sternenhimmel-Animationen

Bildnachweis:
“Der Tierkreis - französische Miniatur aus dem Jahr 1354”: Cod. 2563, fol. 37v, Eigentümer: ÖNB Bildarchiv, Wien
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Abbildung möchte ich mich bei Frau Zimmer vom Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (
www.onb.ac.at, www.bildarchivaustria.at) bedanken.
“Der Reichsapfel als Erde mit Kontinenten - norwegische Holzschnitzerei um 1300”: Foto: Prof. Dr. Rudolf Simek, Bonn
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Abbildung möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr. Rudolf Simek (
www.germanistik.uni-bonn.de/institut/abteilungen/skandinavische-sprachen-und-literaturen/abteilung/personal/simek_rudolf) bedanken und auf sein Buch “Erde und Kosmos im Mittelalter” verweisen (erschienen im Weltbild Verlag Augsburg 2000, ISBN 3-8289-0379-7)
“Die Umrundbarkeit der Erde - französische Miniatur aus dem Jahr 1245”: Cod. fr. 574, fol. 42r, Eigentümer: BnF, Paris
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Abbildung möchte ich mich beim Département de la reproduction der Bibliothèque nationale de France (
www.bnf.fr) bedanken.
“Hertzsprung-Russell-Diagramm (HRD)”: Urheberrechte unbekannt, erbitte Kontaktaufnahme des Urhebers wegen Klärung (siehe Impressum)
Die Spektralfarben der Sterne, Die Beteigeuze-Supernova: selbst gezeichnete Grafiken
“Position des Sterns Rana (Delta Eridani)”, “Position des Sterns Beta Pictoris”: Fotos: Eckhard Slawik, Waldenburg
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Abbildungen möchte ich mich bei Herrn Eckhard Slawik bedanken.
“HST-Aufnahme der Staubscheibe um Beta Pictoris 1995”, “HST-Aufnahme der Staubscheibe um Beta Pictoris 1996”: Copyright: STScI (Space Telescope Science Institute)
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Abbildungen möchte ich mich beim STScI (
www.stsci.edu) bedanken.

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